Zeitschrift TAUWETTER 1/2017: Intiativen-Erklärungen-Praxismodelle zum interreligiösen Dialog

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Tauwetter ist eine unregelmäßig erscheinende Zeitschrift für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Mehrmals pro Jahr, erscheint das zwischen 40 und 80 Seiten starke Heft. In ausführlichen Artikeln wird jeweils ein Schwerpunktthema aus franziskanischer Sicht beleuchtet. Hinzu kommen Literaturhinweise zum behandelten Themenbereich.

Ausgabe 1/2017

Weil die Menschheit eins ist

Intiativen-Erklärungen-Praxismodelle zum interreligiösen Dialog

Was bedeutet heute ganz praktisch gegenseitiger Respekt im Kontext eines interreligiösen Dialogs? Heftig diskutiert wurde eine Begebenheit während der gemeinsamen Reise der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ins Hl. Land. Auf Wunsch der islamischen Seite legten die ranghöchsten Repräsentanten beim Besuch auf dem Tempelberg ihre Kreuze ab.

Der jüdische Journalist und Publizist Rafael Seligmann kommentierte dies so: „Wer von einer anderen Glaubensgemeinschaft fordert, sich ihrer religiösen Symbole zu entledigen, verlangt deren Unterwerfung. Dies ist keine theoretische Diskussion, sondern seit Neuestem Praxis im Heiligen Land und damit ein Muster für ein falsches Verständnis des interreligiösen Dialogs … Die Absicht der Geistlichen war friedlich, doch sie sind keine Privatpersonen, sondern oberste Vertreter des deutschen Christentums. Daher war ihr Verhalten prinzipienlos. Gegenüber den Juden war das Handeln von Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strohm treulos, für die christlichen Kirchen auf Dauer verheerend… So verliert die Kirche ihre Glaubwürdigkeit“ (HK 12/2016, S. 6). Markus Günther urteilt in einer Analyse zur Situation der Kirchen in Deutschland ähnlich: „Der Grund ist ehrenwert, aber die Botschaft verheerend: das Kreuz im Dienste der Toleranz verstecken? Wo liegt die Grenze zwischen Respekt und Selbstverleugnung? Nur eine durch und durch verkopfte Kirche bringt solche Fehlentscheidungen hervor“ (FASZ 25.12.2016, S. 8). Kardinal Reinhard Marx empfindet den Vorwurf der Unterwerfung und des Verrats am Christentum als beleidigend. Er gab im Bayerischen Fernsehen zu, die Brisanz der Vorgehensweise der Bischöfe unterschätzt zu haben und meinte, rückblickend wäre es besser gewesen, den Tempelberg „privat“ zu besuchen und nicht im Kardinalsgewand.

Die Frage des Umgangs miteinander stellt sich ganz praktisch auch in der Arbeit der Deutschen Islamkonferenz, die im September 2006 ins Leben gerufen wurde. Waren die ersten Jahre durchaus eine „Erfolgsgeschichte“, so gab es in letzter Zeit eher Streit um die Zusammensetzung des Gremiums. Während zu Beginn auch liberale Muslime und Islamkritiker unter den Teilnehmenden waren, sind es mittlerweile nur noch die Islamverbände. Transparenz und Vielfalt als Grundvoraussetzungen für einen Dialog werden zunehmend in Frage gestellt. Gerade die Themen, die die Gesellschaft aktuell bewegen, die Aspekte von Sic

herheit, Radikalisierung und Einfluss aus dem Ausland bedürfen der ehrlichen Auseinandersetzung.

In vielen Punkten wird es nicht die eine einzig gültige Antwort geben. Angesichts eines zunehmenden Populismus und wachsender Islamfeindlichkeit ist es unsere Aufgabe, unsere franziskanische Position einzubringen, die vom Handeln Jesu und vom Handeln des hl. Franziskus geprägt ist. Seine Begegnung mit Sultan Melek al-Kamil ist für heute Beispiel eines interreligiösen Dialogs auf Augenhöhe mit klaren eigenen Positionen und gegenseitiger Wertschätzung.

Titel der Ausgabe Tauwetter Nr. 1 / Februar 2017 / 32. Jahrgang. Klick auf Bild öffnet PDF Datei

Inhalt

  • Die franziskanische Initiative 1219
    Religions- und Kulturdialog 7
    Dr. Thomas M. Schimmel
  • Die „Erklärung von Marrakesch“
    Erklärung muslimischer Geistlicher zum Thema:
    Religiöse Minderheiten in islamischen Gesellschaften
  • Christen und Muslime:
    Gemeinsam gegen Extremismus und für Dialog und Frieden
    Erklärung Muslimischer Ältestenrat und Ökumenischer Rat der Kirchen
  • Keine Gewalt im Namen Gottes!
    Christen und Muslime als Anwälte für den Frieden
    Erklärung des Gesprächskreises „Christen und Muslime“ beim ZdK vom 24. Mai 2016
  • Die vier hilfreichen großen R des Religionsdialoges
    Dr. Thomas M. Schimmel
  • Dresdner Wort der Religionen
    Erklärung zum Tag der Deutschen Einheit 2016
  • Segen für die Völker der Erde
    Memorandum 2017
    Pfarrer Werner Dierlamm
  • Glaube und Reflexion
    Plädoyer für einen Islam fernab von Formalismus und Ritualismus
    Bülent Uçar
  • „Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden
    “Interreligiöser Pilgerweg in Berlin
    Dr. Gerdi Nützel
  • Wie die Menschheit eins ist – Die katholische Lehre
    „Humani generis unitas“ für das dritte Jahrtausend Buchbesprechung
    Stefan Federbusch ofm
  • Handbuch christlich-islamischer
    Dialog Buchbesprechung
    Hanspeter Betschart ofmcap
  • Handbuch christlich-islamischer
    Dialog Buchbesprechung
    Hanspeter Betschart ofmcap
  • Pax et Bonum Franziskanisches Friedenshandeln und Interreligiöser Dialog
    Buchbesprechung
    Stefan Federbusch ofm

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