Der Name

Franziskus_Sultan
Franziskus trifft den Sultan – Fresco von Giotto in der Basilika San Francesco in Assisi

Der Name 1219 – Religions- und Kulturdialog erinnert an das Jahr 1219. In diesem Jahr bewies Franziskus von Assisi, dass eine Veränderung von Dialog- und Erkenntnisstrukturen möglich sind. Er hatte sich in diesem Jahr dem Fünften Kreuzzug angeschlossen, der die Eroberung Jerusalems zum Ziel hatte und damit auch die Frage entscheiden wollte, ob Orient oder Okzident die weltpolitische Oberhand haben sollten.

Franziskus durchbrach während der Kriegshandlungen zwischen den christlichen und muslimischen Heeren die Politik des gewaltsamen Gegeneinanders und begab sich zu dem ägyptischen Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik, um freimütig vor ihm zu predigen und den Krieg durch Überzeugungskraft zu beenden. Die Begegnung zwischen Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik und Franziskus hatte auf beide Wirkung. Der Sultan bekehrte sich zwar nicht zum Christentum, war aber beeindruckt von dem wie ein Sufi gekleideten Mann aus Italien. Franziskus kehrte nach dem Gespräch unbeschadet zurück nach Assisi. Muslime waren für ihn keine „grausamen Tiere“ mehr, wie die Kreuzzugpropaganda im Westen verbreitet. Er schätzte vielmehr ihre vornehmen Sitten und ihre tiefe Ehrfurcht vor Gott. Als Folge schrieb er in die erste Ordensregel, dass sich die Mitglieder seiner Gemeinschaft, die sich in anderen Kulturbereichen bewegten, durch eine einfache und friedfertige Präsenz und eine dienende Haltung gegenüber den Menschen Zeugnis für das Christentum ablegen sollen und „weder zanken noch streiten“ sollen. Außerdem setzt er sich nach dem Vorbild des Muezzin-Rufes dafür ein, dass es auch im Abendland ein Zeichen geben sollte, dass alle Menschen an das Lob Gottes erinnern sollte. Auf diese Initiative geht das noch heute übliche Angelus-Läuten der Kirchenglocken am Morgen, Mittag und Abend zurück.

Franziskus Handlungsweise ist wegweisend für einen guten Kultur- und Religionsdialog, obwohl er noch der Auffassung war, dass letztendlich nur der katholische Glauben zur Seligkeit und zu Gott führe. Diese Auffassung hat das II. Vatikanischen Konzil revidiert, in dem es sagt, dass Gott sich auch in anderen Religionen und Kulturen offenbart hat.

  • Franziskus durchbrach die vorherrschenden Konventionen und suchte Gespräch und Erkenntnis;
  • er war sich seiner eigenen Positionen und seines eigenen Glaubens bewusst;
  • er vertraute auf die Macht der Worte und des Gespräches;
  • er lernte aus der Begegnung mit dem Sultan und zog Konsequenzen aus dem Gelernten.

 

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