Pressemitteilung: Erklärung des Bündnisses „Ohne Unterschiede“

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Ein Bündnis von Nicht-Musliminnen und Nicht-Muslimen fordert einen fairen Umgang mit Menschen muslimischen Glaubens und dem Islam.

 Vertreterinnen und Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Bereiche, Parteien, Konfessionen und Weltanschauungen haben sich angesichts einer zunehmenden Islamophobie in unserer Gesellschaft zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das sich für den fairen Umgang mit Muslimen und dem Islam einsetzt.

Zu den Erstunterzeichnern der Erklärung gehören u.a. Winfriede Schreiber (ehemalige Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes), Martin Germer, (Pfarrer der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche), Dr. Thomas M. Schimmel (Geschäftsführer der franziskanische Initiative 1219. Religions- und Kulturdialog e.V. und Koordinator der Langen Nacht der Religionen in Berlin), David Driese (Mitglied des Humanistischen Verbandes), Bernhard Heider (Geschäftsführer von Leadership Berlin), Werner Gräßle (Präsident des Amtsgerichts Lichtenberg) und Ranjit Kaur (Vorsitzende des Berliner Forums der Religionen e.V.).

Zum Jahresbeginn 2018 veröffentlicht das Bündnis „Ohne Unterschiede!“ nun einen Aufruf, in dem Medien, Politik und Gesellschaft aufgefordert werden, den Artikel 3 des Grundgesetzes ernst zu nehmen und nicht zweierlei Maß bei der Berichterstattung und der Bewertung anzulegen. Den Wortlaut der Erklärung finden Sie unter: http://1219.eu/ohne-unterschiede/

Für Rückfragen stehen Ihnen gerne zur Verfügung:

 

  • Winfriede Schreiber, vor ihrer Pensionierung u.a. Präsidentin des Verwaltungsgerichts Cottbus, Polizeipräsidentin für Ost-Brandenburg und von 2005 bis 2013 Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes,  E-Mail: schreiber-wilmersdorf@t-online.de
  • Martin Germer, Pfarrer der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, E-Mail: germer@gedaechtniskirche-berlin.de

und

  • Thomas M. Schimmel, Geschäftsführer der Franziskanischen Initiative 1219 e.V. und Koordinator der Langen Nacht der Religionen, E-Mail: thomas.schimmel@1219.e

Anlässlich der Veröffentlichung dürfen wir Ihnen folgende Statements der Erstunterzeichner*innen zur Kenntnis und Verwendung geben:

Winfriede Schreiber, ehemalige Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes:
„Es hat sich unverkennbar eine anti-muslimische Stimmung in Deutschland entwickelt. Dieser Umstand, eine kleine Bevölkerungsgruppe aufgrund ihres Glaubens als Projektionsfläche für alles Schlechte zu nutzen, widerspricht elementar den Grundsätzen unserer Verfassung. Freiheit ist auch immer das Gebot, die Freiheit des anderen zu schützen. Und diesen Umstand sehe ich durch pauschalisierte Zuweisungen in Gefahr. Deswegen unterstütze ich dieses Bündnis.“

Martin Germer, Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche:
„Ich durfte im zurückliegenden Jahr an zwei bemerkenswerten Friedenskundgebungen mitwirken, die von Muslimen initiiert und durchgeführt wurden. Diese Erfahrung unterscheidet sich deutlich von dem, was in öffentlichen Debatten oft undifferenziert und ohne näheres Hinsehen unterstellt wird. Positive Beispiele, zum Beispiel gemeinsame Antisemitismuserklärungen mehrerer Moscheevereine, finden medial keine Beachtung. Aber wer soll unter Muslimen etwas bewegen, wenn nicht solche engagierten Personen? Sie brauchen Unterstützung, nicht pauschale Verdächtigungen. Deswegen unterstütze ich dieses Bündnis.“

Dr. Thomas M. Schimmel, franziskanische Initiative 1219. Religions- und Kulturdialog e. V.:
„Antisemitismus, Islamophobie – beides ist abzulehnen und gegen beides müssen wir ankämpfen. Wir erleben derzeit, wie Musliminnen und Muslime, die seit Jahrzehnten friedlich hier leben und ihren Glauben praktizieren, immer wieder unter Rechtfertigungsdruck und Pauschalverdächtigung geraten – durch tendenziöse Berichterstattung, durch die Pflege von Vorurteilen oder die Verbreitung falscher Nachrichten. Und wir erleben, wie Menschen, die sich dagegen wehren, für naiv erklärt oder als Gutmenschen diffamiert werden. Für die plurale Gesellschaft ist das Gift. Das Bündnis für den fairen Umgang mit Muslimen ist darum dringend notwendig“.

David Driese:
„Ich finde es unerträglich, wenn medial besonders jene angegangen werden, die sich offen auf unsere Gesellschaft zubewegen. Dies ist ein fatales Signal in Richtung der Moscheevereine, die gerade genau schauen, ob der Weg der Öffnung für sie Sinn hat. Ich wünsche mir weniger skandalträchtige Überschriften und mehr differenzierte Bewertungen der Arbeit in den Moscheevereinen. Deswegen unterstütze ich dieses Bündnis.“

Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. – seit Jahren aktiv mit dem Projekt meet2respect zu den Themen Antisemitismus, Homophobie und Islamfeindlichkeit:
„Ich würde mir wünschen, dass Journalisten zukünftig bei der Berichterstattung über Muslime auf wirkliche Experten zurückgreifen, die sich durch Qualifikation und differenziertes Urteilsvermögen auszeichnen und nicht auf Aktivisten oder Lobbyisten, die man leicht daran erkennen kann, dass ihre Beiträge zum Thema Islam zu 100% negativ (oder positiv) sind.“

Werner Gräßle, Präsident des Amtsgerichts Lichtenberg:
„Im Rahmen des Projektes meet2respect besuche ich mit einer Gruppe anderer schwuler und lesbischer Personen immer wieder Moscheegemeinden und erlebe, wie sehr medial erzeugte Zerrbilder bei Muslimen wie auch Homosexuellen eine negative Atmosphäre erzeugen. Dies kann nur durch persönliche Begegnungen und Erfahrungen abgebaut werden.“

 

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